Abb.
1: Der Autor (ganz rechts) mit Freunden in einem Kaffeehaus
1.2
“Shisha”-Kultur in Ägypten
Geraucht
wird in Ägypten hauptsächlich in Kaffee- oder Teehäusern,
den sog. “Gachwas” oder “Achwas” . Die Aussprache ist etwas schwierig,
da das arabische Wort mit einem Buchstaben beginnt, bei dessen Aussprache
ich Schwierigkeiten habe. Das wohl bekannteste Kaffehaus seiner Art befindet
sich in Kairo mitten im “Khan El Khalili” und nennt sich “Fishawy” (siehe
Abb. 2). Alle grösseren Hotels bieten mittlerweile ebenfalls “Shisha”
an – es scheint sehr “trendy” zu sein. Besonders schön gelungen scheint
mir dabei das Ambiente des “Marriott”-Hotels zu sein – Im Innenhof des
Hotels kann man/frau seine “Shisha” rauchen und dazu arabische/ägyptische
Köstlichkeiten probieren (Tee mit Minze – gehört unbedingt dazu
, etc.). Stark frequentiert ist ebenfalls das “Nile Hilton” - Hotel (Achtung:
Die meisten Hotels haben “Mindestverzehr”!).
Abb.
2: “Fishawy”, Khan El Khalili, Kairo (aus “Egypt Today, Ausgabe Dezember
1998)
Zu den
Kosten wollte ich mich eigentlich nicht äussern: Wissen sollte man/frau
aber dennoch, dass ein “Haggar” in normalen Kaffeehaus zwischen 1/2
und 2 L.E. (Ägyptischen Pfund) kostet. Im Hotel oder im “Khan El Khalili”
schon oft bis zu 7 L.E.
Mittlerweile
gibt es ebenso “Zuhause-Raucher” (wie etwa den Autor) und den allgegenwärtigen
“Delivery-Service”, der vor nichts Halt zu machen scheint. Man kann sich
also per Telefon seine “Shisha” samt Bedienung u.s.w. auf seine Party nach
Hause bringen lassen.
Abb.
3: “Sohour” - ausgiebiges Essen während des Ramadans (aus: “Egypt
Today”, Januar 1999)
2
Funktion
2.1
Bauteile
Die
Wasserpfeife besteht in der Regel aus einem Wassergefäss, das meistens
aus Glas (künstlerisch bemalt) aber auch aus anderen Materialien bestehen
kann, wie Ton, Messing oder ausgehöhlten Kürbissen (Kalebassen).
Nach oben folgt die Rauchsäule, häufig aus Metall (verchromt
oder aus Messing) und reichlich verziert, die im Inneren 2 Röhren
beherbergt. Die eine Röhre endet am unteren Ende der Rauchsäule
und führt ein Stück nach oben und ist fast rechtwinkelig zum
Schlauch mit dem dazugehörigen Mundstück ausgeführt. Die
andere Röhre ragt in das Wasser im Gefäss und führt nach
oben zum Tabakgefäss (im arabischen “Haggar” oder auch “Korsi” -am
Mittelmeer - genannt).
Abb.
4: “El Gezirah Sheraton”, “El Khebagy” (aus: Anzeige in “Egypt Today”,
Januar 1999)
Als Zubehör
dienen ein Teller (unterhalb des Tabakgefässes), eine Zange (für
die oftmals heisse Kohle) und ein Hütchen, arabisch “Tarbusch” (das
über das Tabakgefäss auf den Teller gestellt wird und verhindert,
dass die Asche oder Kohle umherfliegt – mancherorts auch “Charbusch” genannt).
Ausserdem
gibt es verschiedene Reinigungsbürsten (wie Flaschenbürsten)
und Hilfsmittel für das Erhitzen und Transportieren der notwendigen
Holzkohle.
Der
Profi besitzt natürlich auch so ein kleines Kaffeehaus-Tischchen.
2.2
Funktion der Bauteile
Das
Wasser im Wassergefäss sollte so bemessen sein, dass die lange Röhre
mindestens zu einem Viertel bis einem Drittel im Wasser steht. Im Gefäss
sollte genügend Platz führ den Rauch bleiben. Zu viel Wasser
erschwert das Saugen, zu wenig Wasser führt dazu, dass der Qualm direkt
eingesogen wird und nicht durch das Wasser gereinigt und abgekühlt
werden kann.
Der
Tabak im Tabakreservoir muss durch das Auflegen glühender Holzkohle
erwärmt werden. Um den Tabak nicht sofort zu verbrennen, sollte man
am Besten Aluminiumfolie benutzen. Diese ( ca. 8 x 8 cm ) wird über
den Tabakbehälter gezogen und die überstehendn Enden um den Behälter
festgedrückt. Anschließend wird die Folie mit Löchern versehen.
( Alternativ dazu gibt es ein Kohlesieb aus Metall ( Artikel 249 ), durch
dessen unflexible Starre aber am Rand immer eine Fuge entsteht, durch
die zuviel Luft gezogen wird. )
Abb.
4a: Handskizze einer Wasserpfeife (Autor 1999)
Alle
Verbindungsteile müssen gut abgedichtet werden, was durch Gummidichtungen
und in den öffenlich zugänglichen Etablissements, durch Pappe
(hergestellt aus Tee-Verpackungsmaterial) erreicht wird (oder auch nicht!).
Ein Ventil, gegenüber des Schlauchanschlusses angebracht, sollte vorher
auf seine Funktion überprüft werden. Über dieses Ventil
kann uberschüssiger oder zu heisser Qualm abgeblasen werden (sieht
sehr professionell aus, wen man das beherrscht).
Durch
das Saugen am Mundstück entsteht nun oberhalb des Wassers im Gefäss
ein Unterdruck. Dieser führt dazu, dass Luft durch die andere Röhre
angezogen wird. Diese Luft führt durch von Holzkohle erwärmten
Tabak und gelangt durch das Wasser in den Raum oberhalb des Wassers, von
wo er durch den Raucher eingesogen werden kann.
Abb.
5: Wasserfarben Malerei von “Golo” (aus: “Egypt Today”, Dezember 1997)
2.3
Tips zum Gebrauch
Reinlichkeit
ist oberstes Gebot. Das Wasser im Gefäss sollte nach bzw. vor jedem
Rauchen ausgetauscht werde. Das Gefäss selbst ist gründlich auszuspülen
und mit einer erhältlichen Flaschenbürste zu reinigen. Die Rauchsäule
ist ebenfalls von Innen zu Reinigen. Dabei empfiehlt es sich die komplette
Rauchsäule einzuweichen (heisses Wasser) und mit einem Reinigungsgerät
(wie z.B. die lange dünne Bürste unseres Reinigunssets ) zu reinigen.
Dieser Vorgang sollte so lange vorgenommen werdem, bis beim Ausspülen
der Röhren klares Wasser austritt. Dasselbe gilt für das Mundstück
!! Der Schlauch kann ebenfalls gereingt werden. Hier jedoch sollte
man, je nach Material, vorsichtiger sein. Am besten läßt man
lauwarmes Wasser in die größere Schlauchöffnung ( wenn
möglich, vorher Mundstück entfernen ) laufen . Dabei nicht zuviel
Wasser über das Aussenmaterial ( Stoff/ Leder ) fließen
lassen. Das Wasser einen Moment im Schlauch stehen lassen, hin und her
schwenken und am Ende herauslaufen lassen. Ein paar mal wiederholen. Bis
keine braune Brühe mehr aus dem Schlauch läuft.
Schläuche
sollten bei häufigem Gebrauch ab und zu erneuert werden.
Abb.
6: Typischer Shisha-Laden in Mariouteya, Kairo
Beim
Kauf ist darauf zu achten, dass die komplette Shisha zusammenzubauen ist
und vorher auf ihre einwandfreie Funktion hin überprüft werden
sollte.
Wer
oft ausserhalb der eigenen vier Wände Rauchen geht, sollte Plastikmundstücke
dabei haben, oder falls anboten, auch verwenden (siehe auch Teil 4. “Schädlichkeit
der Rauchens”).
2.4
Tabak
Tabak
gibt es mittlerweile in allen Variationen: angefangen vom Ma-Assel (einfacher
Tabak in Melasse mit ein wenig Honiggeschmack), über Dofah (Apfeltabak),
Faraula (Erdbeere), Misch-Misch (Aprikose), Na-Na (Minze), Früchtecocktails
aus Allerlei Mischwerk und natürlich dem legendären “Bahreini”
(wahrscheinlich weil er einstmals aus Bahrein kam) aus verschieden Zutaten.
Mittelerweile heisst wohl alles was gut oder auch nur teuer ist “Bahreini”.
Viele
Tabaks gibt’s neuerdings auch als “light” version, oder süss, weniger
süss, etc. Am Besten probiert man einige aus und mischt sich dann
seine eigene Mischung.
Am längsten
hält sich der Tabak übrigens im Kühlschrank – ansonsten
trocknet der Gute langsam aber sicher aus (Haltbarkeit etwa 2 Jahre).
Nach
dem Öffnen sollte er in einer wiederverschließbaren Dose ( z.B.
Tupperdose oder ähnlichem ) aufbewahrt werden.
Nachdem
es seit Anfang 2004 Gesetz ist, daß Wasserpfeifen-Tabak in Deutschland,
nicht mehr als 5 % Glycerin-Anteil haben darf, haben Geschmack und Feuchtigkeit
des Tabaks gelitten. Der Nakhla Tabak sollte nachträglich mit flüssigem
Glycerin aus der Apotheke, gemischt werden. Wir empfehlen auf 50 gr. Tabak
- 1 Kaffeelöffel Glycerin.
Unserer
Meinung nach ist dies beim neuen Prince Molasses Tabak nicht notwenig.
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2.5
Holzkohle
Zum
Erhitzen der Tabaks wird meistens Holzkohle verwendet. Es geht auch mit
High-Tec, wie z.B. Fön oder Tauchsieder. Beides ist jedoch manchmal
gefährlich und überdies nicht dem Geschmack zuträglich.
Weiterhin
sollte bedacht werden, dass generell grossen Wert auf die Art der Holzkohle
gelegt werden sollte. Da die Luft ja nicht nur durch den Tabak eingesogen
wird, sondern ebenfalls duch die Holzkohle, beinflusst diese auch den Geschmack.
Die
Holzkohle muss möglichst leicht und natürlich trocken sein. Man
bekommt sie kiloweise abgewogen oder schon fertig verpackt. Neuerdings
gibt’s es spezielle Shisha-Holzkohle aus ägyptischen Orangenholz.
Sie ist sehr leicht, brennt gut und vermindert nicht den Geschmack (siehe
Abb. 13). Eine andere Art ist zerstäubte und dann gepresste Holzkohle
– etwa daumendick. Sie ist in 1Kg Plastiksäcken (gelb) erhältlich,
brennt ausgezeichnet und schmeckt relativ gering “durch” , siehe Abb. 15
und 16. Ausserdem sind noch Holzkohletabletten (siehe Abb. 14) erhältlich.
Diese brennen, nur kurz angezündet, wie von selbst. Allerdings entwickeln
sie keine optimale Hitze, können aber ab und zu oder Ersatzweise genommen
werde (im Hotelzimmer etwa).
Apropos
Holzkohle – Wer keinen Gasherd hat muss zum Erhitzen wahrscheinlich auf
den Balkon ausweichen; in der Wohnung selbst dulden das die wenigsten Partner.
Dazu eigent sich z.B. ein Campingkocher, z.B. "Campingaz 206S" für
ca. EUR 15,- Dieser Kocher und die entsprechenden Gaspatronen gibt es in
Baumärkten und in den Campingabteilungen. Die Kohle selbst sollte
gut durchgeglüht werden (z. B. in ein Teesieb legen), bis sie auf
das Allerheiligste – den Tabak - gelegt werden kann. Nur leicht angeglühte
Holzkohle geht aus, ebenso wie feuchte oder zu harte Holzkohle. Deutschland-Urlauber
aufgepasst: Am besten Holzkohle aus Ägypten mitnehmen, oder im Wasserpfeifen-Shop
einkaufen, da die in Deutschland erhältliche übliche Grill-Holzkohle
nicht zum Shisha-Rauchen geeignet ist

Abb. 13 und 14: Holzkohle (links: Tabletten, rechts: spezielle Shisha
Holzkohle)

Abb. 15 und 16: Gepresste Holzkohle in 1Kg Säcken aus Aleppo, Syrien

Abb.17: Mehmet Ali beim Rauchen einer Wasserpfeife, während er das “Abschlachten” der Mameluken betrachtet, dass er selbst am 1. März 1811 angeordnet hat (aus: “The Discovery of the Nile”, Gianni Guadalupi, American University Press, 1997 White Star S.r.l. – Vercelli, Italy) – Vgl. Foto auf Anfangsseite!
4
Schädlichkeit des Rauchens
An dieser
Stelle müssen wir unbedingt daraufhinweisen, dass auch das Rauchen
von Wasserpfeife schliesslich Rauchen ist. Angaben der Hersteller auf der
Verpackung (siehe Abb. 18) sind mit Vorsicht zu geniessen. Nur der Hinweis
“Smoking is very bad for your health” (seit 1981 Pflicht!) oder “Smoking
is a main cause of Lung cancer, Lung diseases and of heart and arteries
diseases” ist natürlich ernst zu nehmen. Andere Angaben sind recht
unterschiedlich und varieren von z.B. 0,5 % Nikoton bei 250 gr. bis 0,05
% Nikotin. Mittlerweile gibt es die unterschiedlichsten Gesundheitstests,
die z.B. besagen, daß der Rauch einer Wasserpfeife mit einem grossen
Tabakkopf einer Nikotinmenge von 2 mittelstarken Zigaretten
, d.h. ca. 2 mg, entspricht. Er besteht zu ca. 95% aus Wasserdampf. Der
Teergehalt ist so gering, daß man ihn nicht messen kann.
Ich
will das Rauchen einer Wasserpefeife in diesem Buch auch nicht verherrlichen
oder dazu verführen - schliesslich kann man sich das schöne Stück
ja auch nur ganz einfach auf’s Buffet stellen!
Abb. 18: Nikotin 0,05% und Teer 0,0% (aber wovon? Und stimmt’s?)
Natürlich
kennen wir auch sämtliche Ausreden (“Wasser filtert alles” oder “ich
rauche ja nicht so oft wie eine Zigarette” etc.) und benuzten diese ja
schliesslich selbst – oder?. Nichtsdestotrotz ist es Tabak, den wir inhalieren
und der besitzt Nikotin (macht süchtig) . Trotzdem raucht man eine
Wasserpfeife im Durchschnitt für etwa eine halbe Stunde bis Stunde.
Beim
Rauchen einer Wasserpfeife in einem Kaffee- oder Teehaus und dergl. sollte
man vorsichtig sein.Das Wasser wird nicht immer vor jedem “Rauchgang” gewechselt
und oftmals scheint mir das ganze Gerät nicht immer ausreichend gereinigt.
Ganz zu schweigen vom Mundstück, bei dem man besonders Vorsichtig
sein sollte (siehe auch Teil 2.3 “Tips zum Gebrauch). Wieviele Infektionen
werden durch “Tröpfchen” übertragen? Tuberkulose, Hepatitis -
um nur einige zu nennen. Zu Empfehlen ist dort : Eigenes Mundstueck oder
angebotene Plastikteile verwenden. Wenn Sie schon einmal einen Gast
in einem solchen Kaffee- oder Teehaus gesehen oder gehört haben, wissen
Sie was ich meine! Ich rauche dort selbst hin- und wieder, kenne
die Läden aber und bin stets vorsichtig. Das Wasserpfeife Rauchen
dort ist nämlich eigentlich am schönsten!
Abb.
19: „La Pacha 1901“ (aus: Anzeige in „Egypt Today“, Januar 1998)
5
Fotogalerie
Nachfolgend
eine Auswahl ein Bildern und Fotos, die ich beim Recherchieren fand.


(aus:Maximilian
in Bayern, Bilder aus dem Oriente, Stuttgart 1846)
Abb.
21 (rechts): Das Bild zeigt Mohammed Ali (ehemaliger albanischer Tabakhändler
und
zukünftige “Vater Ägyptens” ) beim Rauchen einer Wasserpfeife
(aus: “Der Nil”, APA Verlag 1992)
Abb. 22: Alte Wasserpeife (aus: “The Discovery of the Nile”, Gianni Guadalupi, American University Press, 1997 White Star S.r.l. – Vercelli, Italy)
6
Wörterbuch
(Arabische
Ausdrücke der Teile)
Gachwa
(Achwa) = Kaffeehaus, Platz zum Wasserpfeife rauchen
Shisha
= Wasserpfeife
Haggar
= Tabakbehälter aus Ton
Laisa
= Schlauch (ca. 1,5 m lang)
Mabsam
= Mundstück
Dofah
= Apfel (-Tabak)
Ma Assel
= Molasse mit Tabak gemixt
Fachma
= Holzkohle
Abb.
23: ebenfalls “Fishawy”, Bild eines unbekannten Künstlers (aus: “Cairo
Times”, Ausgabe 2/99)